Kann ich als Reservist an einem Auslandseinsatz teilnehmen?

A - Wer kann an einer besonderen Auslandsverwendung teilnehmen? – Personenkreis

An einer besonderen Auslandsverwendung kann innerhalb der Altersgrenze jede Person teilnehmen, die sich dazu schriftlich bereit erklärt und bei der keine Wehrdienst- oder Dienstleistungsausnahme und kein sonstiges Einberufungshindernis besteht. Voraussetzung für die Teilnahme an einer besonderen Auslandsverwendung ist jedoch, dass die Betroffenen an einer vorbereitenden Ausbildung teilgenommen haben. Die Teilnahme an einer besonderen Auslandsverwendung ist bis zum Ablauf des Monats, in dem das 65. Lebensjahr vollendet wird, zulässig. Für Einplanungen von Personen, die das 60. Lebensjahr vollendet haben, ist die Zustimmung des BMVg einzuholen.


B - Dauer der besonderen Auslandsverwendung

Eine besondere Auslandsverwendung ist bis zu einer Dauer von sieben Monaten zulässig. Dieser Zeitraum umfasst den Wehrdienst zur unmittelbaren, insbesondere administrativen Vor- und Nachbereitung der besonderen Auslandsverwendung (z.B. Einschleusung, Ergänzung der mil. Ausrüstung, ärztliche Angelegenheiten, Abgeltung der während der bes. Auslandsverwendung entstandenen Urlaubsansprüche und Maßnahmen zur Entlassung) und der Verwendung im Ausland selbst. Einberufungen oder Heranziehungen zu oder Verlängerungen von bes. Auslandsverwendungen über diesen Zeitraum hinaus sind unzulässig.


C - Wohin sind die freiwilligen Meldungen zu richten?

Meldungen sind an das wehrüberwachende Kreiswehrersatzamt (KWEA) zu richten.


D - Einverständnis Arbeitgeber/Dienstbehörde

Für die Teilnahme an einer besonderen Auslandsverwendung ist die Zustimmung des Arbeitgebers/der Dienstbehörde erforderlich, wenn die Dauer drei Monate überschreiten soll.

Die Zustimmung ist auf der vom Arbeitnehmer vorzulegenden Verpflichtungserklärung durch Unterschrift des Arbeitgebers zu bestätigen. Ohne Einverständnis des Arbeitgebers nimmt das KWEA keine Einberufung vor.


E - Auslandsverwendung von Selbstständigen

In den Fällen, in denen Selbstständige zu einer besonderen Auslandsverwendung herangezogen werden sollen, ist vor Abgabe der Anforderung die Zustimmung des BMVg einzuholen. Die Zustimmung richtet sich danach, ob Zweck und Dauer der besonderen Auslandsverwendung in einem vertretbaren Verhältnis zu möglichen hohen Ansprüchen auf Leistung nach dem Unterhaltssicherungsgesetz (USG) stehen.


G - Widerruf der Erklärung zur Teilnahme an einer besonderen Auslandsverwendung

Reservisten/Reservistinnen, die sich schriftlich bereit erklärt haben, an einer besonderen Auslandsverwendung teilzunehmen, können diese Erklärung gegenüber dem KWEA generell oder für eine konkrete besondere Auslandsverwendung jederzeit und ohne Angabe von Gründen schriftlich widerrufen.

Nach Bestandskraft des Einberufungsbescheides ist der Widerruf ausgeschlossen. Stattdessen kann der Verpflichtete einen Antrag auf Entpflichtung stellen. Diesem Antrag ist stattzugeben, wenn wichtige persönliche Gründe dies rechtfertigen.



H - Finanzielle und soziale Sicherheit

Für die Dauer einer besonderen Auslandsverwendung besteht für alle Beschäftigten, die in einem unbefristeten Arbeits - oder Dienstverhältnis stehen, Arbeitsplatzschutz nach Maßgabe des Arbeitsplatzschutzgesetzes.

Weitere Hinweise zur finanziellen und sozialen Sicherheit sowie allgemeine Hinweise für Reservisten, die sich für einen freiwilligen Wehrdienst zur Teilnahme an besonderen Auslandsverwendungen bereit erklären, sind in besonderen Merkblättern aufgezeigt, die bei allen Truppenteilen und beim KWEA eingesehen werden können. Bei Teilnahme an einer konkreten besonderen Auslandsverwendung werden diese Merkblätter ausgehändigt.

Das Formular "Einverständniserklärung für die freiwillige Ableistung von Wehrdienst im Rahmen einer besonderen Auslandsverwendung" finden Sie als Download in unserem Mitgliederportal.


I. Erneute Teilnahme an einer besonderen Auslandsverwendung / Karenzzeit

a)      Reservisten und Reservistinnen dürfen zu einer erneuten besonderen Auslandsverwendung grundsätzlich erst nach einem Zeitraum wieder einberufen werden, der mindestens von gleicher Dauer ist, wie die vorangegangene besondere Auslandsverwendung. Vor einer erneuten Einplanung ist darüber hinaus zu prüfen, ob

  • es ggf. personelle Alternativen gibt,
  • das Gebot zur sparsamen Haushaltsführung bezüglich möglicher Unterhaltssicherungsleistungen, insbesondere bei Selbständigen, eingehalten wird und
  • die angeforderten Reservisten oder Reservistinnen nachweisbar über die geforderte Eignung für die neuerliche vorgesehene Verwendung verfügen. Katalogpersonal, Beamte, Beamtinnen, Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen der Bundeswehr, die Aufgaben der Territorialen Wehrverwaltung im Soldatenstatus wahrnehmen und Feldpostpersonal, sind von den vorstehenden Regelungen zur Karenzzeit ausgenommen.

b)      Wenn ein Zeitraum von einem Jahr seit Ende der letzten besonderen Auslandsverwendung bis zum Beginn der neuen besonderen Auslandsverwendung unterschritten wird, ist das Einverständnis der Arbeitgeberseite oder der Dienstbehörde bereits vom ersten Tag der neuen besonderen Auslandsverwendung an und nicht erst bei einer drei Monate übersteigenden Dauer erforderlich.